Die Weihnachtskrippe in der St. Ludgerus-Kirche zu Schapen

Die bildhafte Darstellung des Weihnachtsgeschehens in der Form von Weihnachtskrippen zählt zu den volkstümlichsten Darstellungen. Die ersten Weihnachtskrippen wurden in der Mitte des 16. Jahrhunderts durch die Franziskaner und Jesuiten verbreitet. Die Darstellungsformen der Weihnachtskrippen, bezogen auf Gestalt, Material und Form haben sich immer wieder gewandelt.

Die Figuren der Weihnachtskrippe in der St. Ludgerus Pfarrkirche Schapen wurden von dem Bildhauer Jakob Holtmann (1863 - 1935), der zu der Zeit in Kevelar lebte, geschaffen. Kevelar war damals eines der bedeutendsten Zentren christlicher Kunst in Deutschland. Auf Initiative des späteren Erzbischofs von Osnabrück Dr. Wilhlem Berning lebte Jakob Holtmann von 1914 bis zu seinem Tod in Osnabrück. Hier schnitzte er neben zahlreichen sakralen Werken unter anderen die Weihnachtskrippe für den Osnabrücker Dom. Die Stielrichtung der von Jakob Holtmann geschaffenen Krippen war der „Nazarener-Stiel“. Man nennt sie auch „Holtmannkrippen“.

 

 

 

 

 

 

Ursprünglich wurde die Weihnachtskrippe in der Kirche vor dem Marienaltar aufgebaut. Seit der Ausmalung des Chorraumes im Jahre 1954 hat sie in der Nische des linken Seiteneinganges ihren Platz. Zentrale Figuren der Weihnachtskrippe sind die der „Heiligen Familie“ in den alten liturgischen Farben. Das Jesuskind liegt mit ausgebreiteten Händen in der Krippe. Maria kniet vor dem Kind und blickt es freudig an. Sie trägt einen weiten Mantel, der bis auf den Boden fällt. Die Hände sind zum Gebet gefaltet. Ihre Haltung, den Kopf mit einem Tuch bedeckt und leicht nach vorn gebeugt, ermuntert den Betrachter, sich mit ihr über die Geburt des Kindes zu freuen. Josef trägt einen Umhang und schaut das Jesuskind an.

Ein Engel verkündet von einem Felsvorsprung die „Frohe Botschaft“ zu den Hirten. Das Hirtenfeld bestand bis 2007 aus einem Lagerfeuer und drei Hirten mit Schafen. Zu Weihnachten 2008 wurde ein neuer Krippenstall gebaut. In 2011 wurde das Hirtenfeld vergrößert und vier Hirten sowie acht Schafe angeschafft. Während die alten Figuren aus Gips gefertigt wurden sind die neuen Figuren nach alten Vorlagen des Künstlers Holtmann aus Kunstharzguss. Als Besonderheit ist in der Nähe des Jesuskindes ein kleines schwarzes Schaf aufgestellt. In der Bibel (Gen 30,32) heißt es hierzu: „Ich will heute unter deinem Vieh umhergehen. Und du sondere dort alle dunklen Schafe aus. Das soll dein Lohn sein“. Das schwarze Schaf heißt Samy nach der Geschichte „Warum das schwarze Schaf in der Krippe bleibt“. Die „Heiligen Drei Könige“ sind in prächtige Gewänder gekleidet und dokumentieren damit ihre königliche und priesterliche Stellung. Sie halten in ihren Händen die Gaben „Gold“, „Weihrauch“ und „Myrhe“. Ein Kamel wird von einem Kameltreiber geführt. Von oben leuchtet der Morgenstern mit einem langen Schweif.

 

Die Weihnachtskrippe ist mit insgesamt 36 Figuren, die eine Größe von 30 bis 70 cm haben, bestückt. Mitte der 70er Jahre wurden die Figuren farblich überarbeitet. Dabei fand man in einer Königsfigur einen Zettel mit der Aufschrift 1902. Es wird vermutet, dass die Weihnachtskrippe in diesem Jahr angeschafft worden ist. Die Figur des Kameltreibers hat im Sockel mehrere Punzen (Siegel), aus denen hervorgeht, dass die Krippenfiguren im Jahre 1900 hergestellt wurden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Krippenlandschaft ist entsprechend der Landschaft um Bethlehem als Felsengebirgslandschaft aufgebaut. Im Hintergrund ist die Stadt Bethlehem zu sehen. Auf dem Hirtenfeld versammeln sich die Hirten um ein Lagerfeuer. Der Hirtenhund passt auf die Schafe auf. Ein Ziehbrunnen und ein Wasserlauf symbolisieren das Leben. Mit der Weihnachtskrippe wird deutlich gemacht, dass hier Menschen versammelt sind, die es mit der Aussage „Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind“ ernst meinen.