veröffentlicht am 15.09.2017

100 Bibeln im Speller Rathaus ausgestellt

Spelle. Sie ist das meistverbreiteste Buch der Welt und wird auch als „Buch der Bücher“ tituliert: Die Bibel. Die Katholische Pfarreiengemeinschaft Spelle sowie die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Spelle und die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Lünne und Schapen haben im Foyer des Speller Rathauses eine Bibelausstellung eröffnet. Zu sehen ist diese bis zum 06. Oktober 2017.

Dem Besucher im Speller Rathaus bietet sich in den nächsten Wochen beim Eintritt durch den Haupteingang ein imposantes Bild: Rund 100 unterschiedliche Exemplare der Bibel liegen in Tischvitrinen und Schaukästen bereit.

Anlässlich der Eröffnung der ökumenischen Bibelausstellung der Kirchengemeinden innerhalb der Samtgemeinde Spelle erklärte Andreas Robin, Pastoraler Koordinator der Katholischen Pfarreiengemeinschaft: „Der Anlass zur ökumenischen Bibelausstellung gab unser Jahresmotto „Gottes Wort: Zukunft und Hoffnung“ und passt auch hervorragend zum 500. Reformationsjubiläum der Evangelischen Kirche.“ 

Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf verwies in seiner Begrüßung auf die enge Zusammenarbeit zwischen Politik und Kirche, die viele gemeinsame Ziele verfolgen und stets den Menschen im Mittelpunkt ihres Handelns stellen würden. Dank der guten Vernetzung von Pastor Daniel Brinker konnte ein Kontakt zu den Autoren Tanja Brink und Dirk Röse hergestellt werden, die eigens für die Ausstellungseröffnung die Kurzgeschichte „In der Tinte“ verfasst und gekonnt zu Gehör gebracht haben. Mit dieser eindrucksvollen Szenenbeschreibung haben sie die Zuhörer in das Jahr 1521 entführt, in der der Mönch Martin Luther, inhaftiert auf der Wartburg, von starken Gewissenskämpfen heimgesucht wird und schließlich den griechischen Originaltext der Bibel ins Deutsche übersetzt hat. Diese Übersetzung gilt bis heute als Auslöser für eine stärkere Verbreitung der Bibel. Dabei bewerten die Autoren die Übersetzung als einen wichtigen Schritt für die Entwicklung vom Mittelalter zur Moderne sowie für die Entwicklung der deutschen Sprache.

Joachim Korporal, Pastor der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde, unterstrich, dass mit der Ausstellung im Rathaus ein zentraler Ort gefunden worden sei, der nah dran sei am Leben der Bürger. Auf den Betrachter wartet eine Vielzahl verschiedener Exponate, die auch einen Eindruck in die lange Historie vermittelt. So stammt das älteste Ausstellungsstück von 1630 und reicht schließlich bis zur kürzlich überarbeiteten und veröffentlichten Einheitsübersetzung.

Als Besonderheiten sind unter den Ausstellungsstücken beispielsweise eine Biker-Bibel oder eine Schalke-Bibel zu finden. Eine der wertvollsten ausgestellten Bücher dürfte eine Vatikan-Bibel der „Goldene Pracht-Edition“ in einer limitierten und nummerierten Erstauflage mit Zertifikat sein. Gleichzeitig werden unterschiedliche Sprachausgaben beispielsweise in Hebräisch und Griechisch, aber auch Ausgaben für Kinder sowie Haus- oder Familienbibeln gezeigt. Diese sind häufig eng mit persönlichen Lebensereignissen, wie Hochzeiten verbunden. So wurde ein Ausstellungsstück 1925 zur Hochzeit in der UdSSR geschenkt. Bei der Deportation 1932 nach Kirgigistan hat das Paar die Bibel mitgenommen und musste sie mehrfach vor den Bolschewiken verstecken - entweder im Stroh oder im Hof vergraben. 1993 kam die Eigentümerin schließlich mit der Bibel nach Spelle. Ein anderes Exemplar wurde einem Kriegsgefangenen auf der Fahrt aus der Kriegsgefangenschaft zurück in die Heimat im September 1946 von einem katholischen Priester übergeben. Welch großen Wert diese Bibelausgaben für die Besitzer haben, lässt sich für den Betrachter nur erahnen. Die Ausstellung lädt dazu ein, einen kleinen Einblick zu bekommen.

Eröffneten eine Bibelausstellung im Eingangsbereich des Speller Rathauses: (von links) Christel Rosenhöfel (Ev.-Luth. Kirchengemeinde), Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf, Rita Brüggemann (Kath. Pfarreiengemeinschaft), Dirk Röse, Tanja Brink, Bürgermeister Andreas Wenninghoff, Pastor Daniel Brinker, Andreas Robin (Kath. Pfarreiengemeinschaft) und Pastor Joachim Korporal (Ev.-ref. Kirchengemeinde)

Text und Foto: Stefan Holtkötter